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Anglizismen im Deutschen – so geht‘s

Fremdworte fuschen sich mittlerweile in unsere tägliche Sprache, ohne dass wir es bemerken. Und dabei werden sie gar nicht mehr ausschließlich von Jugendlichen verwendet, denn dank oder wegen der modernen Medien und der immer digitaleren Welt sind „denglische“ Begriffe in aller Munde. Und für alle Kritiker: Die meisten vermeintlich englischen Wörter ersetzen gar nicht unbedingt ein deutsches Wort, sie bezeichnen nur neue technische oder kulturelle Entwicklungen, für die noch gar kein deutsches Wort vorhanden ist. Hier fallen mir z. B. Wörter wie „twittern“, „Smartphone“ oder „Blog“.

Plural und Genitiv

Meist fällt uns auf, dass wir nicht immer typisch deutsch sprechen, wenn wir sie aufschreiben sollen. Ein „Problem“ stellen da insbesondere die Pluralbildung oder die Konjunktion von Verben dar. Dennoch sollten sie korrekt geschrieben sein und tatsächlich gibt es hierzu Regeln und Richtlinien.

So werden bei der Pluralbildung von Substantiven nicht – wie wir es im Englischen sonst handhaben -ies angehängt, sondern tatsächlich oft nur ein -s (Lady-Ladys). Und auch der Genetiv ist der deutschen Sprache angeglichen: Bei den weiblichen Begriffen bleibt es beim Nominativ, die männlichen Begriffe erhalten ein -s. So heißt es „auf Basis der Case Study“ bzw. „auf Grundlage des Blogs“.

Groß- und Kleinschreibung

Ähnliches gilt bei der Groß- und Kleinschreibung, hier orientiert man sich auch an der deutschen Rechtschreibung und macht es dieser gleich, je nach Wort und dessen Verwendung.

Zusammengesetzte Worte

Wirklich kniffelig wird es dann bei zusammengesetzten Worten, denn diese werden manchmal mit einem Bindestrich verbunden, manchmal aber eben auch nicht. Übernimmt man den ursprünglich englischen Begriff, so wird er genauso geschrieben wie im Englischen (Public Relations).

Bei Substantiven aus zusammengesetzten Anglizismen schreibt man diese zusammen oder verbindet sie mit einem Bindestrich. Beides ist möglich (Home-Office oder Homeoffice). Sollte sich aber bei der Zusammensetzung um ein Verb und einen Partikel handeln, so müssen diese Teile mit einem Bindestrich verbunden werden (Know-how). Der Partikel wird hier kleingeschrieben. Und wird man ganz wild und will diese Zusammensetzung noch weiter kombinieren (Abend-Make-up), werden alle Teile mit einem Bindestrich verbunden (Durchkoppeln). Alle Substantive werden – egal wo sie stehen – immer großgeschrieben.

Konjugationen

Wird es notwendig Verben zu konjugieren, darf man sich komplett an die deutsche Rechtschreibung halten – auch bei der Vergangenheitsform! Hier sollte man sich unbedingt auf sein sprachliches Baugefühl verlassen, denn bei einigen wenigen Verben muss man darauf achten, dass man keinen Zungenbrecher baut. Beispiel: designen. Natürlich heißt es hier nicht „Ich habe gedesignt.“ Sondern „Ich habe designt.“.

Ein interessanter Fun-Fact sind dann diese vermeintlich englischen Begriffe, die im Englischen aber tatsächlich eine ganz andere Bedeutung haben. Beispiele hierfür sind Handy, Shooting, Public Viewing usw. Diese bedeuten bei uns tatsächlich etwas anderes als im englischen Original.

Umgekehrt verwenden unsere amerikanischen Freunde „unsere Wörter“ übrigens auch: Bratwurst, Kindergarten und Autobahn gehören zum täglichen Sprachgebrauch, da für diese Dinge ein englischer Begriff fehlt.

In dem Sinne ein HOCH auf die lebendigen Sprachen und exercitatio artem parat (um eine nicht mehr lebendige Sprache hinzuzunehmen).

PS: Wenn du mehr über die Die Wirkung von Fremdwörtern wissen möchtest, empfehlen wir diesen Artikel.

Deutsch ist nicht gleich Deutsch

Wo unsere Ländergrenzen verlaufen, das wissen wir. Dabei vergessen wir jedoch oft, dass die deutsche Sprache nicht auf diese Grenzen beschränkt ist. Auch in Österreich und der Schweiz spricht man Deutsch. Verstehen können wir trotzdem noch lange nicht alles. Das liegt nicht nur am gesprochenen Akzent, sondern an den sogenannten Austriazismen und Helvetismen, typisch österreichisch und schweizerisch geprägten Redewendungen oder Arten der Verwendung von Worten, sprachlichen Besonderheiten aus unseren Nachbarländern.

Im Allgemeinen amüsiert uns der andere Sprachgebrauch eher, in gewissen Situationen kann ein Missverständnis jedoch schnell zum Problem werden. Vor allem dann, wenn im geschäftlichen Bereich Fauxpas passieren. Worauf man zum Beispiel bei Briefen und Mails in die Schweiz und nach Österreich achten muss, verraten wir euch hier.

Posten und Detailhandel

Wenn man in der Schweiz postet, dann hat das nicht unbedingt mit Facebook zu tun. „Posten“ bedeutet hier einkaufen. Eben das tut man dort im „Detailhandel“ und nicht wie bei uns im Einzelhandel. Auch ein „Abriss“ bedeutet nicht unbedingt das Einreißen der geschäftlichen Beziehungen, sondern steht in der Schweiz einfach für einen überzogenen, zu hohen Preis. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn „Fehlbare verzeigt“ werden, was soviel bedeutet, wie eine Anzeige der Schuldigen. Ein „Aufsteller“ wiederum ist dort eine gute Nachricht und „eindrücklich“ bedeutet eindrucksvoll. Beim Formulieren eines Geschäftsbriefes ist also ein wenig Feingefühl vonnöten.

Internationales „S“

Vor allem in einem Punkt ist die Schweiz schon weiter als Deutschland: Das Eszett, oder scharfe „S“ wird dort nicht mehr verwendet und gänzlich durch ein Doppel-s ersetzt. Die E-Mail ist in der Schweiz ein Neutrum mit dem Artikel „das“ davor und hinter der Anrede in einer Mail oder einem Brief steht kein Komma wie hierzulande. Und denken Sie daran, wenn Sie dort jemand „angreift“, ist damit nichts Feindliches gemeint, sondern eine Berührung. Und „Geben Sie mir ein Telefon“ bezeichnet die Bitte um Rückruf und keinen Kaufwunsch.

Auch Österreich hat sprachlich viele Eigenarten. Wenn dort „alleweil“ etwas passiert, dann ist es immer so und ist jemand „angezipft“, dann hat man ihn verärgert. Eine „aufgelassene“ Tür wird anders als bei uns abgeschafft und rastet der Geschäftspartner aus, dann braucht er einfach eine Pause und ruht sich aus, anstatt cholerisch zu werden.

Wer ganz sicher sein will, der prüft also seine Korrespondenz gründlich, einschlägige Listen gibt’s zahlreich im Internet. So versteht man es wenigstens nicht falsch, wenn der Wiener Geschäftspartner mit einem einen „Russen“ essen gehen will (damit ist ein marinierter Hering gemeint 😊)…