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Nur gut vorbereitete Interviews werden zu lesenswerten Interviews

Ich persönlich finde ein Interview immer informativ, wenn es sich mit einem Thema beschäftigt, das mich interessiert und im besten Fall von jemandem gegeben wird, der sich mit dem Thema perfekt auskennt. Das Themengebiet ist dabei egal, denn gut geführte Interviews passen zu jedem Thema.

Doch wir alle kennen die Situation, dass man das x-te Interview zu einem Thema liest und absolut gar keine Neuigkeiten daraus mitnimmt – mitunter sogar das Gefühl hat, dieselbe Frage (und dann natürlich auch Antwort) bereits in einem anderen Interview gelesen zu haben. Und das ist immer ein Zeichen einer schlechten Vorbereitung des Interviewführers und dem verzweifelten Versuch, Content zu produzieren. Doch zu welchem Preis…?

Und damit kommen wir zu der These aus der Headline: Nur gut vorbereitete Interviews werden zu lesenswerten Interviews!

Zunächst ist es nämlich absolut wichtig, dass man sich über seinen Interviewpartner informiert. Alles, was man dann herausfindet, ist „lahm“ im Interview zu fragen, denn das ist ja bereits bekannt.

Jedes Interview sollte einen Grund haben, einen roten Faden und ein Ziel. Beispielsweise zu einem uns alle aktuell beschäftigenden Thema: COVID-19. Hier kann man den Experten generell etwas zu COVID-19 fragen (was wohl eher wenig Neues hervorbringen wird), oder man will auf das Thema Impfstoff heraus. Also sollten sich alle Fragen irgendwie am Ende auf das Thema Impfstoff fokussieren. Logisch oder?

Ein kleiner Tipp dazu: Überlegt man sich, welche Zielgruppe das Interview lesen wird, so können die Fragen auch entsprechend formuliert werden. Beispiel: In einem wissenschaftlichen Magazin darf es auch wissenschaftlicher werden. Führt man das Interview für nicht wissenschaftlichen Leser, so sollten auch die Fragen etwas weniger wissenschaftlich gestellt werden. Klar, oder?

Auch sollten Fragen nie so gestellt werden, dass sie mit JA oder NEIN beantwortet werden können. Denn „Geschwafel“ (gehen wir von dem Fall aus, der Interviewte möchte höflich sein und ausführlich antworten) bringt einen auch nicht weiter. Besser sind Fragen, die mit den 7 „Ws“ (Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie? Wozu?) gestellt werden. Hier muss die Antwort zwangsläufig so formuliert werden, dass sie ausführlicher ausfällt – ganz ohne zu schwafeln.

So viel nun zum Inhaltlichen. Kommen wir nun zum Organisatorischen.

Hier gibt es nämlich auch ein paar Kniffe, die es für beide Seiten entspannter macht. Zunächst sollte man seinem Interviewpartner (völlig unabhängig davon, ob das Interview schriftlich oder mündlich geführt wird) gewisse Eckdaten mitteilen: Wann soll das Interview veröffentlich werden? Was benötigt man – neben den Fragen – noch an weiteren Informationen (Foto, kurze Vita etc.)? Und auch eine schriftliche Freigabe sollte man dringend einholen. Hat man dieses kurze Briefing zusammen, dann kann es losgehen.

Nach dem Interview beginnt die zweite Aufgabe des Interviewführers: Das Kürzen. Denn kaum ein Interview kann und sollte 1:1 abgedruckt werden. Meistens ist es gut, wenn gewissen Passagen, die weniger dem Fortschritt des Interviews dienen, gekürzt werden. Auch ist es oft für den roten Faden spannender und logischer, wenn man die Antworten in ihrer Reihenfolge verändert.

Wenn man diese Aspekte der Interviewführung beachtet, so schafft man es zwar nicht schnell ein Interview zu führen, weil es eben viel Recherche und im Nachhinein viel Kürz- und Strukturierarbeit bedeutet, dafür erhält man aber ein Interview, das definitiv lesenswert ist.

Übrigens: Dies alles gilt auch für Interviews, die für Hörfunk, Fernsehen und Podcasts produziert werden.

Einen Flachmann mit drei Beinen abfahren

Zeitungsente, Bleiwüste oder Mantel – Diese Begriffe hat der eine oder andere von Ihnen sicher schon einmal gehört. Doch was ist mit „Abschießen“, „Fensterbrüller“ oder der „Eisernen Jungfrau“? Noch nie gehört? Dann gehören Sie nicht der schreibenden Zunft der Journalisten an. Diese haben nämlich einige Fachbegriffe, mit denen Otto-Normalverbraucher nix anfangen kann. Selbst Pressesprecher und PR-Leute haben viele der Begriffe noch nie gehört.

Das communication-college bildet PR-Leute aus. Die Experten dort sollten es also wissen. Tun sie auch, und haben zusammen mit der PR Akademie Rhein-Main eine Liste der eigentümlichsten Begriffe zusammengestellt. Diese wollen wir Ihnen hier vorstellen – mit Erlaubnis der Verfasser.

Danach sind Sie voll im Bilde, was die Journalistensprache angeht.

Abfahren: Die Freigabe der Texte zum Druck.
Abgefeiert: Ein Thema ist dann abgefeiert und kommt nicht mehr ins Blatt, wenn es schon ausreichend behandelt worden ist.
Abklatschen: Damit wird das Abfärben einer Seite auf die Gegenseite bezeichnet, was ein Einstellfehler an der Druckmaschine ist.
Abkupfern: Bei anderen Autoren abschreiben.
Abschießen: Fotos von Personen ohne deren Einverständnis
Altarfalz: In Zeitschriften verwendete Falttechnik von Seiten, dabei lässt sich eine Doppelseite noch einmal nach beiden Seiten aufklappen.
Arie: Verhöhnendes Wort für Pflichtartikel.
Auf Ohr gehen: Einen Text über Telefon diktieren
Aufblasen: Einen Ausschnitt eines Fotos besonders stark vergrößern oder einen Artikel strecken.
Ausflecken: Ein anders Wort für retuschieren
Ausverkauf: Eine vorzeitig verkaufte Auflage
Bauen: Artikel, Bilder, Grafiken zu einer Seite zusammenfügen.
Beerdigt: Der Artikel erscheint nicht
Beine: Spalten eines Artikels
Bikini-Anzeige: Anzeigenteil auf der Seite oben und unten.
Bleiwüste: Textlastige Seiten
Briefkasten-Tante: Redakteurin für Service-Seiten und Leseranfragen
Briefmarke: Zu kleines Foto
Byline: Aus englischen Zeitungen für Autorenzeile
Clipping-Schreiben: Aus Archiv-Material geschriebener Artikel
Dummy: Nullnummer einer neuen Publikation
Durchschuss: Zwischenraum zwischen den Druckzeilen, Zeilenabstand
Eckenbrüller: Spitzenmeldung (z.B. bei der FAZ), steht rechts oben
Edelfeder: Top-Autoren
Einkaufen: Informationsbeschaffung gegen Bares
Einstieg: Anfang des Artikels
Eiserne Jungfrau: Elektronische Textaufnahme
Ente: Falschmeldung
Fahne: Erster Ausdruck
Fensterbrüller: Headlines, muss in einem Satz gebrüllt verstanden werden
Fett voraus: Andere Bezeichnung für Spitzmarke
Fisch: Ein im Setzkasten falsch liegendes Schriftzeichen – gibt es heute kaum noch, da der PC setzt
Flachmann: Kasten mit wenigen Zeilen über mehrere Spalten
Freischlagen: Platz für einen Artikel frei machen
Frühstücken: Informationen aus anderen Blättern verwerten
Gestorben: Der Artikel wird nicht gebracht oder der Artikel hat die Redaktion schon Richtung Druckerei verlassen.
Grabsteine: Eine Aneinanderreihung von einspaltigen Artikeln.
Griffecken-Anzeige: Anzeige rechts unten.
Hinrichtungs-Journalismus: Enthüllungsjournalismus, kreiert von Otto Graf Lambsdorff
Hochzeit: Doppeltes Wort
Hurenkind: Die letzte Zeile eines Absatzes ist die erste Zeile einer neuen Spalte.
Im Sack: Alle für einen Artikel notwendigen Informationen sind zusammen.
Im Wochenbett: Eine Zeile steht auf dem Kopf (war nur im manuellen Satz möglich)
Jungfrau: Ein fehlerfreier Text
Kalt: geschrieben Artikel schon vor Ende des Ereignisses fertig gestellt
Kaltes Bild: Ein nicht aktuelles Bild
Kanone: Teleobjektiv
Kill: Zurückziehen einer Meldung einer Nachrichtenagentur
Kinken: Probleme
Kochen: Thema immer wieder aufgreifen
Konfirmationsbild: Foto von schwarz gekleideten Männern, die steifen neben einander stehen, etwa bei Ehrungen
Korken: Fehler
Küchenruf: Thema, das alle in der Familie interessiert: Stell’ Dir mal vor, der Effenberg und die…
Lange Tüte: Teleobjektiv
Leiche: Fehlen von Worten und Zeilen
Lockruf: Anruf mit der Bitte um Rückruf
Mantel: Hauptteil einer Zeitung
Maulkorb: Zensur
Mieze: Wenig bekleidete weibliche Person auf Titel
Mutter und Tochter: Haupt- und Nebenartikel
Neger: Ghostwriter
Negern: Früher: Artikelschreiben auf Hörensagen unter Autorenschaft des Informanten / heute: Ereignis, etwa Fußballspiel:. Im TV ansehen und beschreiben
Nudel: Fax oder Bildfunkgeräte, die arbeiten
Pagina: Seitennummerierung
Pärchen: Andere Bezeichnung für Zwillinge
Passer verschoben: (Farb-)Elemente bei Bildern passen nicht übereinander
Redaktionsschwanz: Redaktionelle Kommentierung einer Gegendarstellung / eines Leserbriefes
Redigiermatsch: Verhobene Text-Teile oder –Reste, die beim Redigieren eines Artikels stehen bleiben und den Text verhunzen.
Schnellhase: Ein schnell arbeitender Setzer / Layouter
Schusterjunge: Die letzte Zeile einer Spalte ist die erste Zeile eines neuen Absatzes
Schweinebauch-Anzeigen: Werbeanzeigen für Lebensmittel
Scoop: Superstory
Spitzmarke: Ortsmarke, Agenturkürzel, Kürzel des Redakteurs
Springer: Informant am Telefon
Tischredakteur: Redakteur, der ausschließlich in der Redaktion sitzt und Texte umarbeitet
Trib: Abkürzung für International Herald Tribune
Tupfer: Kleines Bildelement zur Auflockerung von Bleiwüste
Türke: Gestelltes Foto
Tüttelchen: Gänsefüsschen bzw. Anführungsstriche
V-Leute: Aus Firmen- und Parteiensicht vertrauenswürdige Journalisten
Waschzettel: Pressemitteilung
Witwe: Ein einziges Wort ist die letzte Zeile eines Absatzes.
Wundertüte: Aufklapper
Zumachen: Redaktionelle Arbeit beenden
Zwillinge: Zwei inhaltlich gleiche Meldungen (auch: Doubletten)

Wir bedanken uns beim communication-college und der PR Akademie Rhein-Main