Was passiert eigentlich, wenn du ChatGPT & Co. nach einem Tipp fragst?
Es ist so praktisch und einfach: Hat man eine Frage, braucht einen Tipp oder Rat oder sucht etwas, nutzt man heute ChatGPT, Claude, Perplexity, Gemini & Co. Das KI-System arbeitet kurz und schon erscheint eine fertige, mundgerechte Antwort. Wenn man den Befehl richtig formuliert hat, sogar mit Link-Empfehlungen und Quellen.
Aber was passiert in den Sekunden dazwischen? Die meisten von uns wollen es gar nicht wissen. Es ist egal. Das Geschehen interessiert nur diejenigen, die sich wünschen, in den Antworten und Empfehlungen aufzutauchen. Sie fragen sich: Und warum tauchen manche Produkte, Marken, Unternehmen und Personen in den Antworten auf, während andere komplett fehlen?
Ich habe Claude gebeten, mir diesen Prozess einfach und leicht verständlich zu erklären an folgendem Beispiel:
Stell dir vor, du planst gerade eine PR-Kampagne. Du öffnest z.B. ChatGPT (Spannend: Claude nutzt ChatGPT als Beispiel-KI) und tippst: „Welche PR-Agentur in Nordrhein-Westfalen ist spezialisiert auf Technologie-Unternehmen?“
Drei Sekunden später hast du eine Antwort. Mit Namen, Beschreibungen, manchmal sogar mit einer Einschätzung, wer am besten zu deinem Vorhaben passt.
Aber wie kommt diese Antwort zustande? Woher „weiß“ die KI das alles? Und was bedeutet das für dein Unternehmen?
Lass uns das Schritt für Schritt durchgehen.
Schritt 1: Die KI liest deine Frage und versteht mehr, als du denkst
Wenn du deine Anfrage eintippst, zerlegt die KI deinen Satz in einzelne Wortbausteine. Fachleute nennen das „Tokenisierung“, aber das Prinzip ist simpel: Aus „Welche PR-Agentur in NRW ist spezialisiert auf Technologie?“werden ungefähr ein Dutzend solcher Bausteine.
Die KI schaut sich diese Bausteine an und versucht zu verstehen, was du eigentlich willst. Suchst du eine Liste? Willst du einen Vergleich? Brauchst du eine konkrete Empfehlung?
Das funktioniert erstaunlich gut, weil die KI im Training Millionen ähnlicher Fragen gesehen hat. Sie erkennt Muster. Sie versteht zum Beispiel, dass „spezialisiert auf“ eine Eingrenzung ist und dass „NRW“ ein Ort ist, der die Ergebnisse filtern soll.
Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Was macht die KI als Nächstes mit dieser Frage?
Schritt 2: Die KI entscheidet, ob sie im Internet suchen muss
Hier liegt das größte Missverständnis. Viele denken, KI-Assistenten würden ihre Antworten komplett aus dem Kopf geben, aus dem Wissen, das ihnen beim Training beigebracht wurde. Das war vielleicht 2023 noch so. Heute sieht die Realität völlig anders aus.
Die heutigen KI-Systeme sind mit dem Internet verbunden. Und sie nutzen diese Verbindung ständig.
Bei Perplexity ist die Sache eindeutig: Jede einzelne Anfrage löst eine Internetsuche aus. Das System durchsucht in Echtzeit Websites, Fachartikel, Nachrichtenseiten und Datenbanken. Das ist kein Zusatzfeature, das ist das Grundprinzip von Perplexity.
Bei ChatGPT läuft es etwas differenzierter. Das System entscheidet bei jeder Anfrage selbstständig: Brauche ich für diese Antwort aktuelle Informationen aus dem Netz? Bei allgemeinem Wissen (etwa: „Was ist Photosynthese?“) antwortet ChatGPT aus dem trainierten Wissen. Aber sobald es um Produkte, Dienstleister, aktuelle Empfehlungen oder Vergleiche geht, startet automatisch eine Websuche. Bei solchen kommerziellen Anfragen passiert das in mehr als der Hälfte aller Fälle.
Bei Google AI Overviews, den KI-generierten Antwortboxen über den normalen Suchergebnissen, wird sowieso direkt mit aktuellen Web-Inhalten gearbeitet.
Was bedeutet das? Wenn jemand ChatGPT fragt „Welche PR-Agentur in NRW kennt sich mit Technologie aus?“, dann durchsucht die KI mit hoher Wahrscheinlichkeit in diesem Moment das Internet nach Antworten. Sie liest Websites, Fachartikel, LinkedIn-Profile, Branchenverzeichnisse und Pressemeldungen, die sie zu deiner Frage findet.
Schritt 3: Die KI liest das Internet anders als du
Jetzt wird es spannend. Denn die KI sucht zwar im Internet, aber sie verhält sich dabei völlig anders als ein Mensch, der bei Google etwas eintippt.
Google gibt dir zehn blaue Links und du entscheidest selbst, welchen du anklickst. Die KI übernimmt diesen Schritt für dich. Sie öffnet mehrere Quellen gleichzeitig, liest die Inhalte, bewertet ihre Glaubwürdigkeit und zieht die relevanten Informationen heraus.
Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
Wie oft wird ein Unternehmen in verschiedenen Quellen erwähnt? Wenn eine PR-Agentur auf der eigenen Website steht, in einem Fachartikel vorkommt, auf LinkedIn aktiv ist und in einem Branchenportal gelistet wird, bekommt sie mehr Gewicht als eine Agentur, die nur eine Website hat.
Wie glaubwürdig sind die Quellen? Ein Beitrag in einem Fachmagazin zählt mehr als ein Eintrag in einem beliebigen Verzeichnis. Eine Pressemitteilung auf einem seriösen Portal hat mehr Gewicht als ein Social-Media-Post.
Wie gut sind die Inhalte strukturiert? KI-Systeme können Informationen besser erfassen, wenn Texte klar aufgebaut sind: mit aussagekräftigen Überschriften, verständlichen Absätzen und konkreten Informationen statt Marketingfloskeln.
Schritt 4: Die KI kombiniert alles zu einer Antwort
Jetzt passiert das, was KI-Suchassistenten von Google unterscheidet. Die KI gibt dir keine Linkliste. Sie formuliert eine zusammenhängende Antwort.
Dabei kombiniert sie zwei Wissensquellen: Zum einen das, was sie gerade live im Internet gefunden hat. Zum anderen das Hintergrundwissen aus ihrem Training. Dieses Trainingswissen funktioniert wie ein Grundgerüst. Die KI wurde mit Milliarden von Texten trainiert und hat dabei gelernt, welche Zusammenhänge zwischen Branchen, Regionen, Spezialisierungen und Unternehmen bestehen.
Die Antwort entsteht Wort für Wort, in Echtzeit. Bei jedem einzelnen Wort berechnet die KI: Welches Wort passt hier am wahrscheinlichsten als nächstes? Welcher Firmenname wird genannt, hängt davon ab, welche Unternehmen in den gefundenen Quellen und im Trainingswissen besonders konsistent, besonders häufig und besonders positiv im passenden Kontext vorkommen.
Das ist keine Meinung und kein Urteil. Es sind statistische Muster aus dem, was online über dich und deine Branche geschrieben steht.
Schritt 5: Die Antwort erscheint. Und hier wird es für Unternehmen ernst.
Du siehst jetzt die fertige Antwort auf deinem Bildschirm. Drei, vier Absätze. Vielleicht eine Aufzählung. Manche Systeme wie Perplexity zeigen dir die Quellen mit, andere wie ChatGPT tun das manchmal, aber nicht immer.
Was du nicht siehst: Welche Unternehmen die KI gefunden, aber trotzdem nicht genannt hat. Denn die KI nennt nicht alles, was sie findet. Sie wählt aus. Und in dieser Auswahl steckt die entscheidende Frage für jedes Unternehmen: Bin ich dabei oder nicht?
Wenn dein Wettbewerber regelmäßig in Fachartikeln zitiert wird, eine aktive Pressearbeit betreibt, auf LinkedIn Expertenbeiträge veröffentlicht und auf seiner Website klare, gut strukturierte Inhalte hat, dann hat er bessere Karten. Wenn dein Unternehmen zwar eine solide Website hat, aber sonst kaum online vorkommt, wird es schwer.
Was heißt das jetzt für die Praxis?
Die Spielregeln haben sich verschoben. Früher ging es darum, bei Google auf Seite 1 zu landen. Heute geht es zusätzlich darum, von KI-Systemen als relevante Quelle erkannt zu werden. Und weil diese Systeme zunehmend live im Internet suchen, ist jeder Inhalt, den du heute veröffentlichst, potenziell morgen Teil einer KI-Antwort.
Das ist gleichzeitig die gute und die herausfordernde Nachricht. Gut, weil du nicht warten musst, bis ein KI-Modell neu trainiert wird. Deine Pressemitteilung von letzter Woche, dein Fachartikel von gestern, dein LinkedIn-Post von heute Morgen können schon bei der nächsten Suchanfrage in einer KI-Antwort auftauchen. Herausfordernd, weil das auch für deine Wettbewerber gilt.
Vier Fragen, die du dir jetzt stellen solltest:
- Taucht mein Unternehmen auf, wenn ich ChatGPT oder Perplexity nach meiner Branche frage?
- Gibt es Fachartikel, Pressemeldungen oder Interviews, in denen mein Unternehmen erwähnt wird?
- Bin ich auf den Plattformen präsent, die KI-Systeme als Quellen heranziehen? Also in Fachmedien, auf LinkedIn, in Branchenportalen?
- Sind meine Website-Inhalte so aufgebaut, dass eine KI die relevanten Informationen leicht erfassen kann?
Falls du bei einer oder mehreren Fragen zögerst: Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, jetzt aktiv zu werden.
Der blinde Fleck der meisten Unternehmen
Viele Unternehmen investieren erhebliche Budgets in Google Ads und klassisches SEO. Beides bleibt relevant. Aber sie übersehen dabei, dass ein wachsender Teil ihrer Zielgruppe gar nicht mehr klassisch googelt.
40 Prozent der Verbraucher nutzen bereits KI-Dienste für Produktempfehlungen (Storyblok-Studie). Ein Drittel der Befragten setzt KI-Tools für Produktrecherchen ein (OMR-Umfrage). ChatGPT allein verzeichnet inzwischen 900 Millionen wöchentliche Nutzer und macht 20 Prozent des suchbezogenen Traffics weltweit aus. Das sind keine Nischenzahlen mehr.
Diese Menschen bekommen keine Link-Liste. Sie bekommen eine fertige Antwort. Und wenn dein Unternehmen in dieser Antwort nicht vorkommt, existierst du für diese Menschen in dem Moment nicht.
Was du tun kannst
Der Schlüssel heißt „Sichtbarkeit auf vielen Kanälen“. Dein Unternehmen muss dort auftauchen, wo KI-Systeme bei ihren Suchen landen:
Pressearbeit: Regelmäßige Pressemitteilungen und Fachartikel sorgen dafür, dass dein Unternehmen in den Quellen auftaucht, die KI-Systeme bei ihren Suchen finden und auswerten.
Content auf der eigenen Website: Gut strukturierte Inhalte mit klaren Antworten auf typische Fragen deiner Zielgruppe. FAQ-Seiten sind besonders wertvoll, weil KI-Systeme Frage-Antwort-Formate hervorragend verarbeiten können.
LinkedIn und Fachmedien: Expertenbeiträge, Meinungsartikel und Branchenkommentare erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass dein Name in relevanten Zusammenhängen auftaucht.
Branchenportale und Verzeichnisse: Jede zusätzliche Erwähnung in einem seriösen Umfeld stärkt deine Position.
Aktualität: Weil KI-Systeme live im Internet suchen, zählt nicht nur, ob du irgendwann mal erwähnt wurdest. Es zählt, ob du regelmäßig und aktuell präsent bist. Eine Website, auf der seit zwei Jahren nichts Neues passiert ist, macht einen anderen Eindruck als eine, auf der monatlich neue Inhalte erscheinen.
Fazit
KI-Suchassistenten verändern die Art, wie Menschen Informationen finden und Entscheidungen treffen. Sie durchsuchen das Internet in Echtzeit, lesen Websites, bewerten Quellen und formulieren daraus Antworten. Wer versteht, wie dieser Prozess funktioniert, kann gezielt dafür sorgen, in diesen Antworten aufzutauchen.
Es geht dabei nicht um Tricks oder technische Hacks. Es geht um eine solide, aktuelle Präsenz an den richtigen Stellen im Netz. Pressearbeit, Fachartikel, eine gut strukturierte Website und aktive Kommunikation auf relevanten Plattformen. Das war auch vor ChatGPT und Co. keine schlechte Idee. Jetzt ist es unverzichtbar geworden.
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