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Deutsch ist nicht gleich Deutsch

PR-TIPPS, Sprache, Texttipp

Wo unsere Ländergrenzen verlaufen, das wissen wir. Dabei vergessen wir jedoch oft, dass die deutsche Sprache nicht auf diese Grenzen beschränkt ist. Auch in Österreich und der Schweiz spricht man Deutsch. Verstehen können wir trotzdem noch lange nicht alles. Das liegt nicht nur am gesprochenen Akzent, sondern an den sogenannten Austriazismen und Helvetismen, typisch österreichisch und schweizerisch geprägten Redewendungen oder Arten der Verwendung von Worten, sprachlichen Besonderheiten aus unseren Nachbarländern.

Im Allgemeinen amüsiert uns der andere Sprachgebrauch eher, in gewissen Situationen kann ein Missverständnis jedoch schnell zum Problem werden. Vor allem dann, wenn im geschäftlichen Bereich Fauxpas passieren. Worauf man zum Beispiel bei Briefen und Mails in die Schweiz und nach Österreich achten muss, verraten wir euch hier.

Posten und Detailhandel

Wenn man in der Schweiz postet, dann hat das nicht unbedingt mit Facebook zu tun. „Posten“ bedeutet hier einkaufen. Eben das tut man dort im „Detailhandel“ und nicht wie bei uns im Einzelhandel. Auch ein „Abriss“ bedeutet nicht unbedingt das Einreißen der geschäftlichen Beziehungen, sondern steht in der Schweiz einfach für einen überzogenen, zu hohen Preis. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn „Fehlbare verzeigt“ werden, was soviel bedeutet, wie eine Anzeige der Schuldigen. Ein „Aufsteller“ wiederum ist dort eine gute Nachricht und „eindrücklich“ bedeutet eindrucksvoll. Beim Formulieren eines Geschäftsbriefes ist also ein wenig Feingefühl vonnöten.

Internationales „S“

Vor allem in einem Punkt ist die Schweiz schon weiter als Deutschland: Das Eszett, oder scharfe „S“ wird dort nicht mehr verwendet und gänzlich durch ein Doppel-s ersetzt. Die E-Mail ist in der Schweiz ein Neutrum mit dem Artikel „das“ davor und hinter der Anrede in einer Mail oder einem Brief steht kein Komma wie hierzulande. Und denken Sie daran, wenn Sie dort jemand „angreift“, ist damit nichts Feindliches gemeint, sondern eine Berührung. Und „Geben Sie mir ein Telefon“ bezeichnet die Bitte um Rückruf und keinen Kaufwunsch.

Auch Österreich hat sprachlich viele Eigenarten. Wenn dort „alleweil“ etwas passiert, dann ist es immer so und ist jemand „angezipft“, dann hat man ihn verärgert. Eine „aufgelassene“ Tür wird anders als bei uns abgeschafft und rastet der Geschäftspartner aus, dann braucht er einfach eine Pause und ruht sich aus, anstatt cholerisch zu werden.

Wer ganz sicher sein will, der prüft also seine Korrespondenz gründlich, einschlägige Listen gibt’s zahlreich im Internet. So versteht man es wenigstens nicht falsch, wenn der Wiener Geschäftspartner mit einem einen „Russen“ essen gehen will (damit ist ein marinierter Hering gemeint 😊)…

15. Mai 2024/von Nicole Busch
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