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Reiße die Nachricht an dich – Newsjacking in der PR

Vor gut zwei Wochen hatten wir das Agenda Surfing vorgestellt, mit dem Unternehmen eine bereits bestehende, von anderer Seite gesetzte Agenda, für sich selbst nutzen können. Die Idee ist, dass man die Aufmerksamkeit eines aktuell relevanten Themas für sich nutzen kann. Wenn die Menschen sowieso schon auf ein bestimmtes Thema eingestellt sind, ist es leichter, hier ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

Eine ähnliche Idee verfolgt das Newsjacking. Der Begriff ist ein Kunstwort und setzt sich aus den beiden Worten „news“ und „highjacking (dt. Entführung) zusammen. Gemeint ist, eine Nachricht oder eine Veranstaltung zu entführen/zu kapern und zumindest einen Teil der Aufmerksamkeit zu rauben. Das hört sich zunächst wie Agenda Surfing an, ist aber deutlich aggressiver und skrupelloser. Hier geht es nicht darum, ein aktuelles und öffentlich diskutiertes Thema zu nutzen, sondern darum, ein Thema durch eigene Berichterstattung an sich zu reißen, auch wenn dies im Zweifelsfall zu Lasten anderer geht.

Im Unterschied zum Agenda Surfing ist Newsjacking weniger strategisch und langfristig. Es wird sehr oft bei kurzfristigen, unvorhersehbaren Einzelereignissen, die Eingang in die Berichterstattung gefunden haben, spontan eingesetzt. Deshalb verlangt es einerseits ein kontinuierliches Monitoring und andererseits Schnelligkeit und Spontanität. Natürlich ist auch hier eine gute Vorbereitung notwendig. Agenda Surfing nutzt eher lange im Voraus planbare oder zumindest länger andauernde Ereignisse wie sportliche Großveranstaltungen oder Wahlen.

Newsjacking wird zum Beispiel bei bekannt gewordenen Verfehlungen bekannter Branchengrößen (Marken, Politiker, Promis) genutzt. Meistens geschieht das Kapern der New in humorvoller, ironischer Art und Weise und braucht stets auch ein gewisse Portion Glück und Zufall, um viral zu werden und damit die gewünschte Reichweite und Aufmerksamkeit zu erreichen.

Wichtig ist dabei, dass Newsjacking sehr schnell nach hinten losgehen kann, wenn man eine falsche beziehungsweise unpassende Nachricht kapert. Anstatt einer positiven Berichterstattung bricht dann häufig in Social-Media-Kanälen ein Shitstorm über dem Unternehmen herein.

Als Paradebeispiel werden hierbei immer wieder die Aktionen des Autovermieters Sixt angeführt, der aktuelle Ereignisse, meist solche, die Personen oder Unternehmen in schlechtem Licht dastehen lassen, für die eigene Werbung nutzt und so große Aufmerksamkeit erzielt. Der Rücktritt von Andrea Nahles, das Fehlverhalten von Ex-BND Chef Massen

Werbung von Sixt setzt oft auf aktuelle News und Fehlverhalten von Promis und Politiker auf.

Ein anderes Beispiel ist das Video der niederländischen Satiresendung „Zondag met Lubach“, die zum Amtsantritt von Donald Trump ein Video auf YouTube veröffentlichte. In dem Video wurden die Niederlande mit typischer Trump-Rhetorik vorgestellt. Das Video wurde innerhalb von drei Wochen rund zehn Millionen Mal aufgerufen und trug so spürbar zur Bekanntheit der Sendung bei.

Fazit

Newsjacking ist durchaus ein probates Mittel, um in der Öffentlichkeit mehr Bekanntheit und Reichweite zu bekommen. Es bedarf allerdings einer guten, wenn auch spontanen Vorbereitung und einer Portion Mut und Glück.

Titelbild von Engin Akyurt von Pexels

Agenda Surfing in der PR – Reite auf der Welle der Trendthemen

In der Pressearbeit und im Content Marketing ist es manchmal ganz schön schwierig, mit den eigenen Themen Gehör zu finden bei den Medien und in der Öffentlichkeit. Niemand interessiert sich für deine Meinung, deine Dienste oder dein Unternehmen. Einfach ist es immer dann, wenn man eine echte News bieten kann, eine echte Innovation oder einen Großauftrag. Ansonsten bleibt dir nur die Möglichkeit, auf öffentlich diskutierte Themen (z. B. Klimaschutz) oder Themen mit hoher Aufmerksamkeit (z. B. Sportereignisse) aufzuspringen und deinen Beitrag als Experte zu leisten. Man nennt sowas Agenda Surfing.

Der Begriff Agenda Surfing stammt ursprünglich aus der Politik- und Medienwissenschaft. Er wird abgeleitet vom Begriff des Agenda Settings.

Agenda Surfing bedeutet, eine bereits bestehende, von anderer Seite gesetzte Agenda, für sich selbst zu nutzen. Die Idee ist, dass man die Aufmerksamkeit eines aktuell relevanten Themas für sich nutzen kann. Wenn die Menschen sowieso schon auf ein bestimmtes Thema eingestellt sind, ist es leichter, hier ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wir haben Agenda Surfing in den verschiedensten Ausprägungen bereits häufiger in der PR-Arbeit genutzt.

Beispiel 1: Klimaschutz und Verkehr

Es gibt im Moment wohl kein Thema, das mehr gehypt wird wie der Klimaschutz. Vor allem die Dieselthematik hängt hier unweigerlich dran. Wir haben das Thema KIimaschutz, Staus und Umweltverschmutzung mit dem Thema Coworking verknüpft. Wenn weniger Autos im Stau stehen, wird die Umwelt weniger belastet. Ein Weg, die Leute von der Autobahn zu bekommen, ist, sie in nahe am Wohnort gelegenen Coworking-Spaces arbeiten zu lassen. Hierzu haben wir einen Blogbeitrag verfasst.

Beispiel 2: EuGH Urteil zum Thema Arbeitszeiterfassung

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Arbeitgeber/Innen die Arbeitszeit ihrer Angestellten lückenlos erfassen müssen. Das Urteil verpflichtet die nationalen Gesetzgeber in der EU nun, die Einhaltung der Arbeitszeit sicherzustellen, indem sie aufgezeichnet wird.

Eine Kundin von uns ist seit Jahren starke Verfechterin des Homeoffice-Konzepts. Hier stellte sich nach dem Urteil sofort die Frage, ob das EuGH-Urteil auch Auswirkungen auf Homeoffice-Arbeitsplätze hat, weil dort die systematische Zeiterfassung problematisch werden könnte. Flux sind wir auf die Agenda aufgesprungen und haben für die Fachpresse ein Experten-Statement veröffentlicht.

Im Übrigen passt das gleiche Thema auch zum Coworking-Thema.

Beispiel 3: Die „WannaCry“-Attacke auf britische Krankenhäuser

Im Mai 2017 befiel die Schadsoftware „WannaCry“ viele britische Krankenhäuser und legte deren komplette IT lahm. Diese Meldung nutzen wir für einen unserer Kunden für ein Statement. Dessen Software sorgt als Cloud-Version unabhängig von der Krankenhaus IT für die zuverlässige Alarmierung und Mobilisierung von Ärzten und Krankenhauspersonal im Notfall.

Wie findet man nun die Trendthemen?

Nun, zu allererst sollte man als Verantwortlicher für Presse- und PR stets die Augen und Ohren offen halten, die Medien und die Internet-News verfolgen. Hier ergeben sich immer wieder aktuelle Themen.

Natürlich sind gewisse Top-Themen schon lange bekannt, z.B. Wahlen, Weltmeisterschaften, Olympische Spiele usw. Hiermit kannst du langfristig planen. Auch die großen Diskussionen etwa über Gleichheit, Sicherheit und Freiheit sind in gewissem Maße planbar.

Dann solltest du die zur Verfügung stehenden Tools wie Google Trends regelmäßig im Blick haben.

Tipp: Die Google Trends kannst du dir tagesaktuell als RSS-Feed in dein Outlook oder auf dein Smartphone liefern lassen.

Auch die Google Alerts liefern dir in der Kategorie News zu bestimmten Suchworten automatisch die neuesten Nachrichten.

Und auch der Trending-Hashtag bei Twitter gibt dir einen Anhaltspunkt für eine Trending-Topic.

Zu guter Letzt kannst du dir wichtige Newsletter der großen Zeitungen oder Newsportale abonnieren.

Vorsicht: Finger weg von allzu kontroversen oder genuin negativen Ereignissen und Diskussionen: Tragödien eignen sich niemals, um Profit daraus zu schlagen und auch wenn Sie sich innerhalb einer stark polarisierten politischen Diskussion positionieren, müssen Sie Gegenwind einkalkulieren.

Fazit

Wenn du gerade kein eigenes Thema hast, dass die nötige Relevanz für eine Berichterstattung in der Presse besitzt, kannst du mit Agenda Surfing auf andere Themen aufspringen und dich auf dieser Welle in die Köpfe bzw. in die Rechner der Journalisten transportieren lassen.

Agenda Surfing ist aufwendig und bedarf eines Gespürs für die richtigen Themen sowie einer gehörigen Portion Einfallsreichtum.

Bild von Free-Photos auf Pixabay