Sind sie nun cool und überzeugen den Leser oder wirken sie doch aufgesetzt und unprofessionell? Fremdwörter oder Anglizismen in Texten zu benutzen ist für viele ein No-Go. Meine Meinung: Komplett auf Fremdwörter zu verzichten kann Eurem Text genauso schaden.

Die Wirkung von Fremdwörtern

Um eins gleich mal vorweg zu sagen: Natürlich rate ich nicht dazu, dass Ihr Eure Texte unnötig kompliziert gestaltet. Der durchschnittliche Leser hört auf einen Text zu lesen, wenn er auf ein Wort stößt, dessen Bedeutung er nicht kennt. Wenn das bei jedem zweiten Wort der Fall ist, dann dürftet Ihr wohl selbst die hartnäckigsten Leser verlieren. Ein Text sollte sich flüssig und unkompliziert lesen. Er sollte dem Leser ein Thema verständlich näherbringen, oder ihn anregend unterhalten. Wer das jedoch damit gleichstellt einen Text vom sprachlichen Niveau herunterzuschrauben, läuft leicht Gefahr auch an der Qualität mitzudrehen.

Auf die Art des Textes kommt es an

Ich gebe gerne zu, ich bin ein großer Sprachenenthusiast. Ich liebe schöne Rhetorik und ansprechend geschriebene Texte. Ob mich ein Text überzeugen kann, hängt jedoch auch von einem entscheidenden Kriterium ab: Kaufe ich dem Verfasser des Textes ab, dass er sich mit dem Thema auskennt? Und da kommt die Wortwahl wieder ins Spiel. Wenn Ihr Euch in einer Branche befindet (erst recht wenn es sich um eine Nischenbranche handelt), dann seid Ihr mit dem verbreiteten Fachvokabular sehr wahrscheinlich vertraut. Verfasst Ihr einen Text in diesem Bereich, dann wirkt es unprofessionell die üblichen Begriffe nicht zu verwenden, auch wenn diese vielleicht als Fremdwort durchgehen. Vermeidet Ihr generell schwierige Wörter, kann es schnell so wirken, als ob Ihr Euch entweder selbst nicht richtig auskennt, oder als ob Ihr Euren Lesern nicht zutraut, dass sie einen etwas anspruchsvollen Text verstehen. Beides wirkt nicht positiv.

Auf die Leser kommt es an

Neben der Art des Textes ist daher auch die Leserzielgruppe ausschlaggebend. Schreibt Ihr einen Text für komplette Neulinge in Eurem Bereich, so müsst Ihr natürlich etwas vorsichtig mit Fachbegriffen sein. Auch hier rate ich jedoch dazu, nicht auf schwierige Wörter zu verzichten, sondern sie stattdessen in einem Nebensatz oder in einer Klammer zu erklären. So fühlt sich der Leser nicht allein gelassen und kann trotzdem dabei lernen. Das gleiche gilt übrigens für Anglizismen. Schreibt Ihr für ein junges Publikum, so ist gegen Anglizismen hier und da nichts einzuwenden, gehören sie doch mittlerweile zur Jugendsprache dazu und werden von allen verstanden (Achtung: Bitte nur geläufige Anglizismen, wir müssen unsere schöne Sprache ja auch nicht verschandeln!). Besteht Euer Ansprechpublikum hingegen überwiegend aus reiferen Lesern, so kann bei Anglizismen doch dazu geraten werden, sich nur auf das absolut Nötigste zu beschränken.

Fazit

Macht Eure Leser nicht dümmer als sie sind. Deutsch kann eine schwere, aber auch eine schöne und vielseitige Sprache sein. Gerade in Schriftform schadet es daher nicht von der Vielzahl an Wörtern Gebrauch zu machen. Gleiches gilt für den gelegentlichen Einfluss der englischen Sprache. Lasst Eure Leser trotzdem nie mit einem Wort allein im Regen stehen – zur Not lieber einmal mehr erklären, als ein großes Fragezeichen bei Euren Adressaten zu hinterlassen.

Bild: BenediktGeyer / pixabay / CC0 Creative Commons

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.